Yoga ABC

M wie Meditation

„Meditation ist nichts für mich, mir gehen immer so viele Sachen durch den Kopf, ich kann meine Gedanken nicht einfach abschalten…“

Diesen Satz habe ich schon unzählige Male selbst gedacht und ebenso gefühlte tausend Mal von anderen gehört…

Ich weiß gar nicht wer diesen Mythos in die Welt gesetzt hat, dass man zur Meditation einen „gedankenfreien Kopf“ braucht. Das ist sehr unrealistisch und in meinen Augen auch Quatsch. Meditation dient genau dazu die herumspringenden Affen im Kopf zur Ruhe zu bringen. Je mehr Gedanken dir im Kopf umher schwirren, desto wichtiger ist es eigentlich dir Zeit zum Meditieren und eine bewusste Auszeit zu nehmen.

Meditation ist wie eine Dusche für den Geist. Genau wie wir unseren Körper säubern und pflegen, sollten wir uns auch Zeit nehmen, um an unserer mentalen Hygiene zu arbeiten.

Meditieren hilft bei Los lassen. Ich persönlich habe damit Schwierigkeiten, ich kann mich an bestimmten Gedanken so richtig fest beissen und immer weiter spinnen… Sounds familiar? Ja so ist es eben einfach mit uns Menschen, vor allem an negativem Gedankengut halten wir unglaublich fest und diese kleine Stimme in unserem Kopf sagt uns, dass wir nicht gut genug, zu dick, zu groß oder sonst was sind. Das schöne an der Meditation ist, dass du irgendwann feststellen wirst wie du zum Beobachter deiner Gedanken wirst. Meine Sanskrit-Lehrerin Manorama sagte einen ganz wunderbaren Satz ihres Lehrers Sri Brahmananda Saraswati, der es meiner Meinung nach auf den Punkt bringt:

“You are not the body and mind, although you have a body and mind”

Es ist als würdest du neben dir stehen und zu sehen wie dein Hirn sich wilde Sachen zusammen spinnt. Wenn wir zum Beobachter werden, können wir uns jedoch von den Gedanken lösen und das finde ich sehr befreiend. Die kleine Stimme wird immer leiser und wir lernen besser mit ihr umzugehen und uns nicht so leicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Meditation ist ausserdem auch ein Teil des achtgliedrigen Yogapfads nach Patanjali.

Aller Anfang ist schwer…

…aber nicht unmöglich. Das wahrscheinlich Wichtigste ist, dass du dir eine feste Zeit im Alltag einräumst. So wie fürs Zähne putzen. Das kann zum Beispiel gleich morgens nach dem Aufstehen sein, um ruhig und gelassen in den Tag zu starten. Schon 5 min täglich machen einen großen Unterschied. Du bist nicht so der frühe Vogel und kannst auf keinen Fall früher aufstehen, um zu meditieren? Kein Problem, auch am Abend z.B. vor dem zu Bett gehen, ist eine gute Zeit, um sich für den Schlaf vorbereiten.

Meditations-Apps fürs Smartphone oder Tablet

Für den Anfang habe ich sehr gerne geführte Meditationen, mit der Hilfe von zwei verschiedenen Apps gemacht, die ich dir wärmstens ans Herz legen kann. Beide Apps sind englisch, jedoch in leichter und verständlicher Sprache.

  1. One Giant Mind App
    In 12 Schritten zur täglichen Meditationspraxis mit Hilfe eines Mantras. Jeden Tag gibt es eine geführte Audio-Meditation und du kannst nach jeder Meditation Tagebuch führen. Solltest du Schwierigkeiten haben, gibt es zu verschieden Themen kleine Hilfe-Videos.
    Nachdem du die 12 Schritte absolviert hast, gibt es eine 30 Tage Challenge, um das Gelernte zu festigen.
    Zeitaufwand: 15 min täglich
  2. Headspace
    Mehr Headspace – in 10 Tagen lernt man die Basics. Man kann dabei vorher die Zeit einstellen (3, 5 oder 10 min). Besonders schön sind die kleine Animationen, die verschiedene Themen rund um Meditation aufgreifen und erklären. Die App zeigt dir an wieviele Minuten du insgesamt meditiert hast und wieviele Tage nacheinander. So werden deine Fortschritte aufgezeichnet und du kannst tägliche Erinnerungen einstellen.
    Hat man die 10 Tage absolviert kann man entweder sogenannte Packs dazu kaufen oder eine der kostenlosen Meditationen machen. Es gibt auch ein monatliches Abo mit dem man alle Meditationen machen kann.
    Zeitaufwand: Je nach gewählter Zeit, höchstens 10 min täglich

 

Mantra-Meditation

Inzwischen meditiere ich persönlich nach der Jivamukti Methode. Sie ist super simpel und schnell erklärt:

  1. Finde deinen Sitz:
    Das kann ein gekreuzter Sitz oder auch der Fersensitz sein, unterstütze dich hier gerne mit einem Block, einer Decke oder Kissen, so dass dein Rücken aufgerichtet ist.
  2. Fokussiere dich:
    Schließe die Augen und gib dich der Stille hin. Verpflichte dich für die Dauer deiner Meditation still zu sitzen und dich nicht mehr zu bewegen. Wenn du magst und es sich für dich stimmig anfühlt, richte deinen inneren Blick auf deinen Nasenspitze oder den Punkt zwischen deinen Augenbrauen.
  3. Rezitiere ein Mantra:
    Wähle ein Mantra, welches du im Geiste vor dich hin sagst. Das muss kein klassisches Sanskrit Mantra sein, sondern kann auch einfach eine Sache sein, die dich gerade beschäftigt, etwas dass du mehr in dein Leben einladen möchtest oder ähnliches. Hier ein paar Beispiele:
    – Soham: Ich bin das, Ich bin der ich bin
    – Aham prema: Ich bin Liebe
    – Lass los
    Mit jeder Einatmung sagst du dir im Geiste beispielsweise „Lass“ und mit jeder Ausatmung „los“ vor.

    Optional – Mantra Rezitieren mit einer Gebetskette – Japa Mala

    Nimm die Mala zwischen Daumen und Ringfinger der rechten Hand und rezitiere mit jeder Perle das Mantra. Du startest direkt neben der Guru-Perle (mit Quaste) und lässt die Perlen dann nach und nach durch die Finger gleiten, bis du am anderen Ende vor der Guru-Perle ankommst. Somit hast du dein Mantra 108 mal rezitiert, was je nach Atmung um die 12 Minuten dauert. Möchtest du noch weiter meditieren, dreh die Kette um – die Guru-Perle soll nicht „überquert“ werden.

    Nach meinem Empfinden ist die Meditation mit der Mala einfacher, dadurch dass ich das Mantra mit Hilfe der Perlen zähle und meine Finger etwas zu tun haben, schweife ich gedanklich nicht so leicht ab.

Noch ein paar grundsätzliche Gedanken zum Schluss
  1. Du musst nicht die ganze Zeit fokussiert sein und du wirst zwangsläufig abschweifen. Das ist total normal und gar nicht weiter schlimm. Wenn dir auffällt, dass du einem Gedanken nach gehst, komm einfach wieder zurück zu deinem Mantra.
  2. Probiere unterschiedliche Sitzarten aus, bis du die Richtige für dich gefunden hast. Ich kann beispielsweise nicht länger als 5 min im gekreuzten Sitz sein, da mir die Füße einschlafen. Auch auf dem Boden zu sitzen ist nicht jedermanns Sache, vielleicht möchtest du lieber in einem Stuhl sitzen. Finde heraus was für dich funktioniert – beachte dabei nur, dass deine Wirbelsäule aufgerichtet ist.
  3. Hab Geduld und versuche nicht zu bewerten. Es gibt keine gute oder schlechte Meditation, es gibt nur mehr oder weniger Fokus. Und wenn der Fokus heute weniger war,  so what?! Es tut keinem weh und es ist bereits vorbei – loslassen!!!

Probiert es gerne mal aus und lasst mich wissen wie es euch damit geht.

Namaste
eure Kathi

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